MODUL 1

 

Neue Technologien - neues Lernen?

 

Technologie als Werkzeug - Wissenserwerb als Konstruktion

 

Der Deutschunterricht verbessert sich natürlich nicht automatisch, wenn man Multimedia-Anwendungen und Computer einsetzt und mit Internet-Anschlüssen ausstattet. Allerdings zeigt sich durch viele Erfahrungen, dass die Chance den Deutschunterricht effektiver und die Lernkultur besser zu machen steigt.

 

Die neuen Medien bereichern den Deutschunterricht vor allem in

  • methodischer Hinsicht. Sie gestalten das Lernen im Unterricht in Richtung
  • zielorientierter Prozesse innerhalb eines
  • aktiven und
  • konstruktiven Wissenserwerbs, der mit seiner verstärkten kommunikativen/kooperativen Komponente auch
  • soziale und
  • affektive Lernprozesse stimuliert.

 

Der Umgang mit Multimedia/Hypermedia (verknüpfte/vernetzte Informationen von verschiedensten Medien wie Text, Bild, Ton, Video) erfordert überdies höherentwickelte Lese- und Schreibfertigkeiten - ein Kernbereich des Deutschunterrichts.

Rezipienten von Informationen in vernetzten Systemen wie zB dem WWW müssen die einzelnen isolierten Informationsportionen mit eigenem Wissen anreichern und zueinander in Verbindung bringen um die dargebotenen Daten verstehen und zum Wissenserwerb nutzen zu können. Produzenten von Hypertexten/Hypermedia müssen eineVorstellung vom Ganzen eines Themas und seiner Teile haben um einen so gen. Hypertext entwerfen und strukturieren zu können.

Um diese Medien-Schrift-Kompetenz zu erwerben sind nicht nur

  • kognitive Stategien (bes. Strukturieren und kritische Bewertung) nötig, sondern auch so genannte
  • metakognitive Strategien (Planen, Überwachen, Steuern) und
  • Stützstrategien (interessegesteuertes Arbeiten, Organisation des Lernens, Kooperation, Medienkompetenz) erforderlich.

(Vgl. Blatt, in: Hendricks, S. 134ff)

 

Die allgemeine Didaktik der neuen Medien ist sehr stark von der konstruktivistischen Lerntheorie geprägt. Demnach erzeugt der Umgang mit dem Computer eine ideale konstruktivistische Lernumgebung. Diese ist geprägt von folgenden Merkmalen und Annahmen:

(Vgl. Gertsch, S.9-11)

 

 

§         Wissen ist unabgeschlossen, entsteht individuell und in soziale Bezüge eingebettet

§         Lernen ist ein aktiver Prozess

§         Lernen erfolgt in vieldimensionalen Bezügen

§         Unterrichtsgestaltung ist wesentlich eine Frage der Konstruktion

§         Lernende erfahren so wenig Außensteuerung wie möglich 

§         Lehrende fungieren als BeraterInnen/MitgestalterInnen von Lernprozessen

§         Unterrichtsergebnisse lassen sich nicht vorhersagen

 

 

 

Offene schulische Lernformen haben schon bisher einige dieser Mekmale eingelöst, PC und Internet fügen sich als wwesentliche Erweiterung dieser Lernformen in das methodische Inventar.

Und Borrmann/Gerdzen (die ebenfalls auf konstruktivistische Aspekte hinweisen) führen einen ganzen Katalog von didaktisch-methodischen Vorteilen durch die Verwendung des Computers als Werkzeug im Deutschunterricht an, (Vgl. Borrmann/Gerdzen: Internet im Deutschunterricht, S. 6):

 

 

§         ZB: Integration von vielen Teilbereichen des DU (Texte lesen und schreiben, recherchieren, analysieren, zusammenfassen, bewerten; literarische-kulturelle mediengesellschaftliche Aspekte...)

§         Integration verschiedener Medien,

§         Integration verschiedener Fächer (Sprachen, Kunst, Deutsch, Informatik...)

§         Integration von schulischer und häuslicher Arbeit

§         Integration verschiedener Menschen/Nationalitäten

§         Schärfung des Qualitätsbewusstseins

§         Aktivierung der SchülerInnen durch Handlungsorientierung

§         Vielfältige Möglichkeiten der inneren Differenzierung (Mädchen/Burschen, Anfänger/Spezialisten)

§         Rollenveränderungen (mehr Eigenverantwortung der SchülerInnen; Lehrkräfte mehr HelferInnen, ModeratorInnen)

 

 

 

Ebenso schlussfolgern Koch/Neckel aus dem Ergebnis von über 200 verschiedenen Unterrichtseinheiten und -projekten, dass viele Ansprüche an die neuen Medien tatsächlich weitgehend erfüllt werden können.

Diese Ansprüche können auf eine Reihe wichtiger Faktoren reduziert werden, die eine Bereicherung unseres Unterrichts darstellen können und vielen allg. Lernzielen entsprechen: (Vgl. Koch/Neckel, S. 45/46)

 

 

§         Aktualität und Vielfalt

§         Authentizität, Wirklichkeitsnähe

§         Motivation, schülergerechte Lernformen,

§         Handlungsorientierung

§         Sozialkompetenz, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit

§         Berufliche Relevanz, Vorbereitung auf lebenslanges Lernen

§         Ausgleich von Standortnachteilen

 

 

 

Nicht neu, aber optimal! - WebQuests

 

Eine Methode, die das didaktische Potenzial der neuen Medien in einem hohen Maße erfüllt, ist der so genannte WebQuest. WebQuests entwickeln sich in der lehrenden und lernenden Arbeit mit dem Internet als ein neuer methodischer Standard. Der WebQuest als Methode fordert eine Vielzahl von schriftsprachlichen Grundfertigkeiten heraus und bietet einen idealen Ausgangspunkt für notwendigerweise fächerübergreifendes Arbeiten.

Vor allem unter konstruktivistischen Lern- und Wissensaspekten bietet dieses Vorgehen ein großes Maß an offener Lernsituation und selbstgesteuertem und sozial-interaktivem Lernverhalten. In diesem Abschnitt soll als kurzer Anstoß zur weiteren Beschäftigung mit dieser Methode gegeben werden.

Über die Grundlagen dieser Methode wird man auf der Website der Initiative "Globales Lernen" http://www.globales-lernen.de/WebQuest/

und etwas zusammengefasster auf Sonja Gerbers WebQuest-Site informiert:
http://www.webquests.de/eilige.html

Wer gleich etwas tun will und damit die Grundinformationen aneignet, besucht den kurzen "WebQuest zu WebQuests" und lernt dabei auch gute und schlechte WebQuests zu unterscheiden.
http://www.vib-bw.de/tp2/Bescherer/ GDMLehrer/webquest/index.html

Ein Beispiel für einen sehr brauchbaren WebQuest (ab 8. Schulstufe) zum Thema Bewerbungsschreiben bzw. Online-Bewerbung ist hier ausgearbeitet:
http://www.webquests.de/materialien /deutsch.html

 

Aber auch in inhaltlicher Hinsicht muss sich gerade der Deutschunterricht verstärkt den neuen Medien widmen, weil sie eben Medien sind und sprachliche Kommunikation ein Kernthema jedes herkunftssprachlichen Unterrichts ist. Da noch dazu die neuen Medien trotz ihrer Multimedialität die text-sprachliche Komponente verstärkt zum Einsatz bringen und neue Formen der Schriftlichkeit und Wissensdarstellung (z.B. Hypertexte, e-mail, chat) in den Vordergrund treten, kann der Deutschunterricht nicht an den geänderten Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten vorbeigehen. Der Computer muss nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Gegenstand der Unterrichtsarbeit betrachtet, thematisiert werden. Er wird in Zukunft ein wesentlicher Inhalt der Medienerziehung werden.

 

Praktischer Einsatz von PC und Internet

Neben diesen didaktischen Grundüberlegungen sind aber auch die ganz praktischen Nutzungsszenarien ins Auge zu fassen:

Wie kann man eigentlch PC/Internet für den Deutschunterricht grundsätzlich nützen/einsetzen? Diese hängen natürlich stark von den technischen und räumlichen Ressourcen einer Schule ab, lassen sich aber etwa wie folgt zusammenstellen:

 

PC/Internet - Nutzungsmöglichkeiten

 

§         In der Unterrichtsvorbereitung für die Lehrkraft (Weiterbildung/Informationssuche/Erstellung von Unterrichtsmaterialien)

§         Arbeit mit SchülerInnen in der Schule

(Notebook-Klasse, Klassenunterricht/Klein-Gruppenunterricht im Informatikraum, Arbeitsaufträge am PC in der Bibliothek, Gruppen-/Einzelarbeit am PC im Klassenraum bzw. am mitgebrachten Notebook...) Neben dem Internet ist auch hier die Verwendung von Offline-Medien wie DVD- bzw- CD-ROM-Lexika und spezifischen Lernprogrammen angebracht.

§         schulische Nutzung der SchülerInnen zu Hause (üben/festigen, Nachhilfe, Hausübungen, Referatsvorbereitungen, Beiträge für Projekte, als Schreibgerät...) Hier wird vor allem der Einsatz von Offline-Software/Lernprogrammen (DVD/CD-ROM) sinnvoll.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Surf-Tipps (vorbeischauen umschauen - anlesen - Wissenswertes sammeln):

Artikel zum Thema "Unterricht und Internet":  http://www.cx.unibe.ch/ens/ didaktik.html

Cornelsen Teachweb Deutsch: Neue Medien im Unterricht - buchbegleitende Online Kurse

Artikel: Lernen als „konstruktiver“ Prozess: Trugbild oder Wirklichkeit? von Werner Brandl M.A.: http://www.stif2.mhn.de/ konstr1.htm