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Erich Perschon

Kinder- und Jugendliteratur an Pädagogischen Akademien, (Hauptschullehrer-Ausbildung) - März 2002

Teil 2: Diplomarbeitsthemen und Vertiefungsgebiete

Die Datenerhebung für diesen Teil der Untersuchung war für die betroffenen KollegInnen an den PAs etwas arbeitsaufwendig, da Zusammenstellungen der vergebenen Themen der letzten Jahre angefertigt werden sollten. Daher an dieser Stelle herzlichen Dank an die KollegInnen der 9 PAs (von 14),  die mir Daten zugesandt haben, für die konstruktive Mitarbeit an dieser Erhebung.

Einschränkungen/Verfahrensweise

Der Zeitraum der erfassten Themen lässt sich nicht genau festlegen, es blieb im Ermessen der befragten KollegInnen, wie weit sie zurückgingen bzw. welche Daten ihnen überhaupt zur Verfügung standen. Der Erhebungszeitraum reicht von den letzten drei Jahren bis zum Beginn der 90er Jahre zurück, bei einzelnen Listen war der Zeitraum nur schätzungsweise zu bestimmen. Daher kann auf die chronologische Dimension der Themenstellungen in der Auswertung nicht eingegangen werden.

Um eine Themenstellung zuordnen zu können, werden vor allem die Schlüsselworte der Themenstellung (Themabegriffe) herangezogen. Diese repräsentieren in den u.a. Tabellen und Auswertungen abgekürzt das Thema. Der immer vorhandene Bezug zur KJL wird dabei als selbstverständlich vorausgesetzt, daher wird dieser Teil der Themenformulierung in den Übersichtsdarstellungen weggelassen.

Fachbereich

Anzahl

Fachbereich

Anzahl

Religionspädagogik

17

Biologie

1

Erziehungswissenschaft

13

Politikwissenschaft

1

Pädagogische Psychologie

10

Religion

1

Pädagogische Soziologie

7

Geografie

1

Unterrichtswissenschaft

3

Entwicklungspsychologie

1

Allgemeine Sonderpädagogik

1

Humanwissenschaft

1

Insgesamt standen 140 Themenstellungen zur Analyse zur Verfügung, davon 60 mit anderen Fachbereichen kombinierte Arbeiten (43 %). (Anmerkung: Nicht bei allen Listen waren auch die kombinierten Fächer genau angegeben. Bei einzelnen Themen lässt sich aber aus der Formulierung des Themas ein Bezug zu einem kombinierten Fach herleiten. Nur wo dies eindeutig möglich erschien, wurde diese Themenstellung zu den kombinierten Arbeiten gezählt. Bei 7 von 9 Akademien waren die Kombinationen genau angegeben.)

Der Anteil der religionspädagogischen Kombinationen liegt erwartungsgemäß bei den vier diözesanen PAs deutlich höher als bei den restlichen Bundes-Akademien: 12 von insgesamt 17 religionspädagogisch kombinierten Themenstellungen entfallen auf PAs mit diözesaner Trägerschaft.

Welche inhaltlichen Kategorien stechen bei diesen Themenstellungen hervor? Die Beschäftigung mit KJL im religionspädagogischen Bereich wird mit folgenden Themabegriffen verbunden:

§         Ethisch/moralischer Bereich:  Friedenserziehung, Krieg und Frieden, ethisch religiöse Erziehung

§         Explizit religiöser Bereich/Glauben: Das Judentum, Gebetslyrik, Religion im Alltag

§         Grenzerfahrungen: Tod, Sterben und Tod, Todeserfahrungen, Krankheit, 

§         Psycho-sozialer Problembereich: Sexueller Missbrauch, Identitätsprobleme

§         Historische Problemfelder: Feindbilder im Nationalsozialismus, Hexen

In den 13 mit Erziehungswissenschaft kombinierten Themenstellungen spielen vor allem folgende Themabegriffe ein Rolle: Angst, Sexueller Missbrauch (3x), Interkulturelle Erziehung, Nationalsozialismus, Gewalt, Vater-Kind-Familie, Großeltern

Die mit Pädagogischer Psychologie kombinierten Diplomarbeiten zeigen deutliche inhaltliche Verbindungen zu psychologischen Aspekten: Freundschaft, Gewalt, Geschwisterbeziehung, Vaterbilder, Angst und Angstbewältigung (2x), Neofaschismus (Vorbeugung), Pubertätsprobleme, Kindheitsbilder und pädagogische Konzepte in kinderliterarischen Texten

Welche AutorInnen und Werke der KJL kommen in den Themenstellungen explizit vor?

Themenverteilung

(Themenbegriffe, die mehr als eine DA betreffen)

Themabegriffe

Anzahl DA

KJL-AutorInnen/Werke

12

Gattungen/Genres

11

Interkulturalität

11

Familienbeziehungen

8

Gewalt

7

Pubertät/Adoleszenz

7

Tod

6

Behinderung

6

Nationalsozialismus

6

Sexueller Missbrauch

5

Konflikte/Frieden

5

Angstbewältigung

4

Schule/LehrerInnenbild

3

Gastarbeiter

3

Berufswelt

3

Rollenbilder

3

Lesen/Leseerziehung

3

Religion/Glauben

3

Krankheit, Leid

2

Österreichische AutorInnen: (2x): Mayer-Skumanz, Nöstlinger, Recheis, Thüminger - (1x): Lechner, Welsh, Sklenitzka, Haiding

Deutsche AutorInnen: (2x): Pausewang - (1x): Härtling, Ende, Pressler, Wölfel

Andere: (1x): Lindgren, Blyton, Saint-Exupery

Ausdrücklich im Thema genannte Werke (jeweils ein Mal): Welsh: "Drachenflügel", Thüminger: "10 Tage im Winter", Recheis: "Lena, unser Dorf und der Krieg", Saint-Exupery: "Der kleine Prinz", Haiding: "Österreichischer Märchenschatz"

Welche KJL-Gattungen bzw. Genres werden explizit behandelt?

An erster Stelle steht die Gattung Märchen (5x). Sie werden aber nicht primär vom gattungsspezifischen Aspekt her betrachtet, sondern dienen als problemzentrierendes didaktisches Vehikel für Probleme wie z.B. Konflikte im Märchen; Märchen als Zugang zur Welt; Die Rolle der Frau im Märchen; Märchentexte - psychologische Deutung und didaktische Bearbeitung;  dagegen mehr gattungstheoretisch orientiert das Thema: Moderne Märchen - Formen, Themen, Botschaften - und ihre Bedeutung für den Deutschunterricht. Einzelne Diplomarbeiten befassen sich mit den Gattungen/Genres Phantastische KJL, Gespenstergeschichten, Sagen, Triviale KJL, Comics, Gebetslyrik

Interkulturelle Themenstellungen enthalten Themabegriffe wie Judentum, Lateinamerikabilder, Indianer, interkulturelle Begegnungen, dritte Welt und Islam. Der Themenbereich Familienbeziehungen deckt die Aspekte Großeltern, Alte und Junge, Geschwisterbeziehungen, Vater-Kind-Familie, Vaterbilder, Mutterbilder und Scheidungskinder ab.

Welche Bereiche der KJL erscheinen unterrepräsentiert?

Im Bereich der Gattungen sind sicher Lyrik und Dramatik unterrepräsentiert. Obwohl Lyrik in den Lese- und Lehrbüchern der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen und nicht zuletzt in der Song-Kultur der Jugendszene einen nicht unbedeutenden Stellenwert einnimmt, nennt nur ein Diplomarbeitsthema einen lyrischen Teilbereich: Gebetslyrik und Meditationstexte in liturgischer, schulischer und außerschulischer Verwendung. Analysen in sprachlicher, literarischer und religionspädagogischer Hinsicht.

Kein Diplomarbeitsthema befasst sich explizit mit dramatischen Textsorten (z.B. Kindertheater). Auch medienbezogene Textsorten wie Jugendzeitschriften, Hörspiel, TV oder Film kommen nicht in den Themenformulierungen vor, obwohl gerade Film, Video und Hörkassetten einen beträchtlichen Teil des Freizeitverhaltens der Kinder- und Jugendlichen bestimmen.

Die bei Kindern und Jugendlichen beliebten Textsorten Krimi und Trivialliteratur allgemein sind kaum mit Themenstellungen bedacht. Lese- und medienpädagogische Phänomene wie z.B. Thomas Brezina, Serien-Krimi-Hörkassetten oder Harry Potter sind kein Thema.

Die inhaltlichen Aspekte sind insgesamt breit gefächert, allerdings bleiben auch hier einzelne Themen ausgespart, die in der KJL-Produktion wie auch in der fachwissenschaftlichen Diskussion durchaus Resonanz verursachen: Keine bzw. kaum Erwähnung finden Themen-Bereiche wie Ökologie, Konsumwelt, Neue Medien, postmoderne Adoleszenzliteratur, Drogen-/Alkoholprobleme,  Flüchtlingsprobleme, KJL aus anderen Kulturen. Das Thema Sexualität bleibt in den Themenbereichen Pubertät und Adoleszenz integriert. Geschlechtsrollenfindung, Homosexualität, Magersucht u.a., so gen. Modethemen, kommen nicht als eigenständige Themen vor. Zeitgeschichtliche Aspekte beschränken sich auf das Themenfeld NS-Faschismus, Nationalsozialismus.

Schwerpunkt: Didaktisch-pädagogische Funktionalisierung der KJL

Etwas mehr als die Hälfte der Themenstellungen sind entweder mit humanwissenschaftlichen Fachbereichen kombiniert und sind dadurch schon mehr auf außerliterarische Gesichtspunkte ausgerichtet und/oder enthalten ausdrückliche unterrichts- bzw. schulbezogene Aspekte.

Eine Reihe von Themen (ca 20%) bringt schon in der Themenformulierung den Stellenwert des päd.-didakt. Aspekts explizit zum Ausdruck, z.B. in Formulierungen wie

Impulse zum praktischen Einsatz im Hauptschulunterricht, Die Vermittlung von Kinder- und Jugendliteratur... in der Hauptschule, KJL als unterstützender Faktor in der Berufsfindung..., ...und ihre Bedeutung für den Deutschunterricht, ...Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht, ...literaturdidaktische Aspekte, ...Einsatz ausgewählter Texte im fächerübergreifenden Unterricht, ...und ihre Botschaft an die Leser, ...unter besonderer Berücksichtigung des erziehlichen Aspekts u.a.

Auch aus persönlichen Erfahrungen ist mir die tendenzielle Forderung der Studierenden, auch im fachwissenschaftlichen Bereich möglichst praxisbezogene KJL-Themenstellungen in den Lehrveranstaltungen anzubieten, bekannt. Die (für einen pädagogischen Ausbildungsgang durchaus verständliche) Einstellung des „Umsetzens“, des „Einsetzens“ im Unterricht erschwert aber bedauerlicher Weise die fachwissenschaftliche Auseinandersetzung mit KJL als eigenständige literarische Textsorte.

Gerade in der sprachlichen Formulierung zeigt sich auch die Funktionalisierung der KJL als „Problem-Lieferant“. Z.B.: ... und die Behandlung des Themas mit Hilfe von Jugendbüchern,  ... Sexualerziehung als pädagogische Herausforderung und ihre Bewältigung mit Hilfe der KJL, Gewalt am Kind und die Bearbeitung in zeitgemäßer Kinderliteratur (komb.m. Erziehungswiss.), Die Aufarbeitung von Gewalt und Aggression anhand von Kinder- und Jugendliteratur (komb.m. Päd. Psych.) oder Möglichkeiten der Umsetzung des Unterrichtsprinzips „Gleichstellung von Frauen und Männern“, aufgezeigt anhand des Themenbereichs „Erste Liebe“ im Kinder- und Jugendbuch.

KJL wird in den vielen Themen vor allem aus der Sicht der inhaltlichen Problemorientiertheit und als Vehikel, das Probleme „aufarbeitet“, „bearbeitet“, „verarbeitet“ oder „aufzeigt“ betrachtet.

Literaturwissenschaftliche/literarästhetische Ausrichtung

Trotz der starken didaktischen und schulpraktischen Ausrichtung oder humanwissenschaftlichen Kombination vieler Themenstellungen bleibt ein nicht unbeträchtlicher Teil der Auseinandersetzung mit KJL auch primär literaturwissenschaftlichen Fragestellungen gewidmet (etwa ein Drittel).

Enthält die Themenstellung keinen expliziten Hinweis auf die Schulpraxis und ist sie auch nicht mit einem anderen (meist humanwissenschaftlichen) Bereich kombiniert, so gehe ich – nicht zuletzt aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit Diplomarbeiten  - davon aus, dass diese nicht kombinierten Arbeiten mehr unter literaturwissenschaftlichem Aspekt das Thema bzw. Werke/AutorInnen behandeln, obwohl jede Diplomarbeit bzw. Hausarbeit in der LehrerInnen-Ausbildung als Abschlussarbeit einer berufsfeldbezogenen Ausbildung einen gewissen Anteil an methodisch/didaktischen Überlegungen enthalten soll.

Daher kann die u.a. gefilterte Themenliste als einigermaßen repräsentativ für die Aspekte der literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit KJL angesehen werden.

§         Peter Härtling als Kinder- u. Jugendbuchautor

§          Gudrun Pausewang und ihre Bedeutung für die Kinder- und Jugendliteratur

§         Untersuchungen zum jugendliterarischen Werk Rosmarie Thümingers

§         100 Jahre Enid Blyton - eine Klassikerin des Trivialen?

§         Ausgewählte Kinder- und Jugendbücher von Ursula Wölfel

§         Auguste Lechners Bearbeitungen mittelalterlicher Heldenstoffe

§         Märchen als Zugang zur Welt an der Schwelle zum 3. Jahrtausend? Karl Haidings "Österreichischer Märchenschatz"

§         Defizite im menschlichen Zusammenleben. Exemplarisch dargestellt an Texten von Christine Nöstlinger

§         Renate Welshs "Drachenflügel" und die Behindertenproblematik in der Kinder- und Jugendliteratur für das Hauptschulalter

§          Aufarbeitung des Themas "Leid und Not" in der Kinder- und Jugendliteratur am Beispiel der Autorin Lene Mayer-Skumanz

§         KJL unter interkulturellem Aspekt. Ausgewählte Beispiele aus der deutschen und slowenischen KJL

§         Die dritte Welt im Kinder- und Jugendbuch

§         Lateinamerikabilder in Jugendbüchern

§         Die Indianer im Kinder- und Jugendbuch

§         Interkulturelle Begegnungen als Thema moderner Jugendbücher

§         Jungenbilder in der modernen Kinder- und Jugendliteratur

§         Das Vaterbild in der Kinder- und Jugendliteratur

§         Wandlung des Frauenbildes im zeitgenössischen Jugendbuch

§         Die Alten und die Jungen - Brückenschlag zwischen den Generationen anhand von Kinderliteratur

§         Thematisierung des Nationalsozialismus in der KJL

§         Rechtsextremismus in der modernen KJL

§         Der zeitgeschichtliche Informationswert in der Kinder- und Jugendliteratur zum Thema "Nationalsozialismus",

§         NS-Faschismus und Rechtsradikalismus in der KJL

§         Die Keltische Mythologie und Sagenwelt als Grundlage phantastischer Jugendliteratur, Beispiele aus dem angelsächsischen und deutschen Sprachraum

§         Phantastische Kinder-und Jugendliteratur

§         Triviale Kinder- und Jugendliteratur

§         Gewalt in Familie und Schule und deren Aufarbeitung in der Kinder- und Jugendliteratur

§         Sexueller Missbrauch als Thema in der modernen Kinder- und Jugendliteratur

§         Die erzählerische Gestaltung der Integration Behinderter in modernen Kinder- und Jugendbüchern

§         Der geistig und körperlich behinderte Mensch in der Kinder- und Jugendliteratur für 10- bis 15-Jährige

§         Das Phänomen Schule in der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur - Darstellung der Wirklichkeit oder Utopie einer wünschenswerten Schule?

§         Konflikte in der Schule - Darstellung und Bewältigung der Konfliktproblematik in der Kinder- und Jugendliteratur

§         Die Darstellung der Berufswelt der Mädchen im Kinder- und Jugendbuch für das Hauptschulalter

§         Jugendbücher zur Arbeitswelt

§         Angstbewältigung in der Kinderliteratur

§         Die Funktion der Träume. Psychologische und literarästhetische Überlegungen zur KJL

§         Die Drogenproblematik in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart

§         Das Gastarbeiterproblem im modernen Jugendbuch

§         Sport im Jugendbuch seit 1960

§         Die Darstellung der Probleme Heranwachsender in aktuellen Jugendbüchern

§         Liebe und Tod in der KJL 

Ein deutlicherer Bezug auf die Fiktionalität, auf die Vermitteltheit der in den Texten gestalteten Wirklichkeit zeigt sich nur in den Formulierungen wie z.B. Lateinamerikabilder in... oder Jungenbilder in... oder Die erzählerische Gestaltung der Integration... Insgesamt bleibt der explizite literarästhetische Gesichtspunkt bei Diplomarbeitsthemen im fachwissenschaftlichen Bereich Deutsch an PAs aber erwartungsgemäß im Hintergrund.

PA-Schwerpunkte, Besonderheiten

Einzelne gesellschaftspolitische Themenstellungen, die insgesamt nur sehr gering vertreten sind, korrespondieren mit dem regionalen Umfeld: Z.B. PA Klagenfurt -  KJL unter interkulturellem Aspekt. Ausgewählte Beispiele aus der deutschen und slowenischen KJL oder PA Wien - Die zweite Generation (Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache) in der KJL, Der Islam in der KJL

Der Themenbereich „Leserkunde“, der im fachwissenschaftlichen Curriculum für Deutsch/KJL zwar aufscheint, aber kaum als Diplomarbeit gewählt wird, ist nur an der PA Klagenfurt mit den Themenstellungen Leseerziehung in der HS, Lesetraining in der HS, Legasthenie - Ein Problemfeld für den Deutschunterricht insgesamt dreimal vertreten.

Ebenfalls hervorzuheben seien die Schwerpunkte an der PA Linz Diözese und PA Graz Eggenburg mit je 6 Arbeiten zu konkreten AutorInnen bzw. Werken. Eine Konzentration von Themen zur Interkulturalität (3 Arbeiten) zeigt sich an der PA Linz Diözese. Drei Themenstellungen zu Gattungen/Genres der KJL finden sich an der PA Graz Eggenburg und je 3 Arbeiten im Bereich Familienbeziehungen und Gewalt wurden an der PA Stams/Tirol vergeben.

Gemeinsames

Die Themenverteilung auf die jeweiligen  Pädagogischen Akademien zeigt, dass der Themenbereich "Interkulturalität" am weitesten gestreut ist -  an 7 Akademen wurde das Thema in den letzten Jahren vergeben - gefolgt von den Themen "Nationalsozialismus" und "KJL-AutorInnen/Werke" an 6 Akademien. Auf jeweils 5 Akademien verteilen sich die Themen "Märchen", "Gewalt", "Pubertät/Adoleszenz", "Tod", "Behinderung", "Konflikte/Frieden", auf 4 Akademien der Bereich "Familienbeziehungen".

Mündliche Diplomprüfungsthemen (Vertiefungsgebiete)

So genannte Vertiefungsgebiete (VTG) sind fachliche Schwerpunkte, die Studierende der Hauptschullehrer-Ausbildung als mündliche Diplomprüfungsgebiete wählen müssen. Jeder Studierende wählt je 2 VGT im Erstfach, im Zweitfach und in den jeweiligen Fachdidaktiken. Zur Diplomprüfung wird er aus diesen Themenbereichen geprüft.

Die VTG gehen thematisch aus den Lehrinhalten des Studiums hervor, stellen aber inhaltlich eine selbstständige Erweiterung und vertiefte Einarbeitung in ein selbstgewähltes Thema dar. Die Studierenden stellen sich in Absprache mit dem jeweiligen Fachprofessor Primär- und Sekundärliteratur zum gewählten Schwerpunkt zusammen. Im KJL-Bereich sind das 5-10 kinder- und jugendliterarische Werke und entsprechende Sekundärliteratur.

Die Auswahl der VTG-Themen ist unterschiedlich geregelt, manche PAs geben Listen mit vorformulierten Themenvorschlägen zur Auswahl bekannt, manche stellen es den Studierenden völlig frei eigene Themenvorschläge auszuarbeiten.

Letztlich bildet sich allerdings in beiden Fällen eine gewisse Thementradition für den jeweiligen Fachgegenstand heraus. So auch im Bereich der KJL, wie an den u.a. Schwerpunkten und Beispielen zu erkennen ist.

Für die inhaltliche Analyse stehen hier 58 Themenstellungen von 5 Pädagogischen Akademien (PA Linz Diözese, PA Krems Diözese, PA Klagenfurt, PA Baden, PA Eisenstadt) zur Verfügung.

Welche Aspekte der KJL kommen in den Vertiefungsgebieten zum Ausdruck?

Themen

Anzahl

Märchen

6

Mädchenbuch/Mädchenliteratur

4

Abenteuerbuch/Abenteuerliteratur

4

Fantastische KJL

3

Comics

3

Adoleszenzliteratur/Adoleszenzroman

2

Sachbuch

2

Klassiker der KJL

2

Tierbuch

1

Moderner Kinder- und Jugendkrimi

1

Vorliterarische (volkspoetische) Formen

1

Der Schwerpunkt bei den VTG liegt auf Gattungen/Genres. 29 von 58 Themenstellungen (50%) befassen sich mit Gattungen bzw. Genre-Aspekten. Aus meiner Erfahrung mit Studierenden liegt die Vermutung nahe, dass zu diesen traditionellen  Themenstellungen das Angebot an Sekundärliteratur und damit gut erreichbare und gut abgrenzbare Stoffbereiche möglich sind.

An führender Stelle liegt auch hier der stark schul- und lehrplanbezogene Themenbereich  „Märchen“. Des Weiteren setzen sich Studierende häufig mit den in der KJL traditionsreichen Bereichen „Abenteuerbuch/Abenteuerliteratur“ und  „Mädchenbuch/Mädchenliteratur“ auseinander, wobei moderne Tendenzen auch Verbindungen zum Bereich „Adoleszenzliteratur“ herstellen, wie z.B. in den VTG-Themen Vom Mädchenbuch zum „emanzipierten Adoleszenzroman“ oder Moderne und emanzipierte Mädchenbücher.

Ebenfalls relativ häufig werden die Gattungen „Fantastische Literatur“ und  „Comics“ gewählt.

Die Themen Abenteuerbuch/-literatur sind an 4 von 5 PAs vertreten, die Themen Adoleszenzroman/-literatur, Fantastische Literatur und zeitgeschichtliche Aspekte an 3 PAs, Mädchenbuch/-literatur, Märchen, Sachbuch und Klassiker der KJL an jeweils 2 PAs.

Neben dieser thematischen Häufigkeitsverteilung zeigen sich auch deutlich erkennbare PA-Schwerpunkte. Z.B. kommt das Thema „Comics“ als VTG (4x) nur an der PA Baden vor.

Weitere PA-Schwerpunkte:

PA

Gattung/Genre-Aspekt

Einzelne Themenschwerpunkte/Besonderheiten

PA Linz Diözese

vor allemgattungs-/genrebezogene VTG

weiters Komik im Kinderbuch, Gruseliges und schwarzer Humor, Geschichte der KJL

PA Baden

vor allem gattungs-/genrebezogene VTG, darunter bes. Märchen, Comics, emanzipiertes Mädchenbuch

weiters Familienprobleme (3x), Neue Medien in der KJL, NS-Vergangenheit in der KJL

PA Krems Diözese

gattungs-/genrebezogene VTG

aber auch Arbeitswelt, Staat und Gesellschaft, Ökologie, Glaube, Sinnfindung, Generationskonflikt und Identitätsbildung (wobei nicht zwischen KJL und „Erwachsenenliteratur“ getrennt wurde)

PA Klagenfurt

wenig gattungs-/genrebezogene VTG

dafür mehr auf Unterrichtspraxis bezogene Themen (Unterrichtsmodelle zur KJL, Projekte mit Jugendbüchern, und Jugendbücher im fächerverbindenden Unterricht) und Schwerpunkte im Umfeld der Themabegriffe Gewalt, Friedenserziehung, interkulturelles Lernen, Behinderten-problematik.

PA Eisenstadt (nur kleine Auswahl von VTG zur Verfügung)

keine gattungs-/genrebezogenen Angaben

Das Thema „Schule“  in der KJL, Die österr. Kinder- und Jugendbuch-Preisträger, Das Kinder- und Jugendbuch als Hilfsmittel für den zeitgeschichtlichen Unterricht

 

Mit welchen Einzelwerken bzw. AutorInnen befassen sich Studierende in ihren VTG?

Hier liegen kaum nennenswerte Befunde vor. Studierende wählen explizit nur selten AutorInnen bzw. Einzeltitel. Nur von der PA Klagenfurt (Christine Nöstlinger und Das Tagebuch der Anne Frank als Lektüre und zeitgeschichtliches Zeugnis) und der PABaden (Drei Jahrzehnte österreichische Jugendliteratur am Beispiel Renate Welsh und Martin Auer) werden solche VTG-Themen genannt.

Letztlich heißt das natürlich nicht, dass sich die Studierenden nicht mit konkreten Werken der KJL auseinandersetzen. Aus den vorliegenden o.a. gattungs-/genrebezogenen VTG – wie z.B. Klassiker der KJL, Mädchenbuch u.a. –  geht zwar nicht hervor, welche konkreten AutorInnen und Titel dann in der Primärwerkliste aufscheinen, es ist aber anzunehmen, dass es hier ebenfalls einen Kanon von häufig gewählten AutorInnen und Werken gibt, der allerdings nur mit hohem administrativen Aufwand von Seiten der FachkollegInnen zu recherchieren gewesen wäre.

Resümee und Ausblick

Die in den Lehrveranstaltungen (s. Teil 1, libri liberorum, H.3/März 2001) angebotene Fülle von Themenbereichen geht in der Zusammenschau der vergebenen bzw. von den Studierenden gewählten Diplomarbeitsthemen etwas verloren. Es gibt kaum Themen zu historischen Aspekten bzw. Entwicklungen in der KJL, KJL-Verlage, KJL-Institutionen werden kein Thema von Diplomarbeiten, das Spannungsfeld zwischen literaturwissenschaftlichen und unterrichtspraktischen Aspekten wird nicht kritisch thematisiert. KJL wird vorwiegend als Themenlieferant und didaktisches Vehikel im Erziehungs- und Unterrichtsgeschehen gesehen. Damit liefern die Pädagogischen Akademien aber auch eine vergleichsweise umfangreiche und vertiefte methodisch-didaktische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand KJL.

Interessant wäre letztlich auch eine weiterführende Untersuchung, die z.B. im Rahmen von Seminararbeiten an den jeweiligen PAs selbst vorgenommen werden müsste und die die Inhalte der vergebenen Diplomarbeiten z.B. auf konkrete KJL-AutorInnen und Werke analysieren könnte, um so - österreichweit koordiniert - einen umfassenden Einblick in den Kanon der an Pädagogischen Akademien Österreichs literaturwissenschaftlich-didaktisch untersuchten kinder- und jugendliterarischen Texten zu ermöglichen.

Erich Perschon

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